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Andi Vollmer: "Ich bin kein Träumer-Trainer"

Josef Zindel 12.10.2017

Andi Vollmer ist seit Sommer 2017 Cheftrainer der ersten Mannschaft von Sm'Aesch Pfeffingen. Ein Gespräch mit dem 51jährigen Diplomsportpädagogen vor dem Meisterschaftsstart vom 15. Oktober 2017 gegen den VBC Cheseaux (17.00 h, Löhrenackerhalle Aesch).

 

Andi Vollmer, vor einigen Tagen ist es so richtig losgegangen – und zwar so richtig gut für Sm'Aesch Pfeffingen. Oder ist es nicht so, dass eine 2:3-Niederlage gegen Serienmeister Volero Zürich im Supercup-Final richtig gut ist?

Andi Vollmer: Nun, eine Niederlage kann gar nie "richtig gut" sein. Vielleicht kann eine Leistung als richtig gut bezeichnet werden, auch wenn das Resultat negativ ausfällt. Und wenn man gut spielt, schmerzt auch mal eine Niederlage etwas weniger, so wie das tatsächlich bei diesem Supercup-Final der Fall war, den wir eine Woche vor Meisterschaftsstart in Fribourg gegen Volero erst im Tie-Break verloren haben. Unsere Vorstellung gegen den Favoriten aus Zürich war gut, in vier der fünf Sätze spielten wir auf Augenhöhe mit Volero. Bei absolut optimalem Verlauf hätten wir sogar gewinnen können, doch ein 3:1-Sieg hätte keineswegs nur Vorteile gehabt, so schön sich das angefühlt hätte. Doch das hätte leicht zu falschen Rückschlüssen aus nur einem einzelnen Spiel führen können, vielleicht sogar bei den Spielerinnen selbst. So aber wissen alle bei uns: Das Volero-Spiel war prima, aber ganz sicher war es nicht so gut, als dass wir nichts mehr dazu lernen könnten…

 

Was heisst das nun für den richtigen Saisonstart am 15. Oktober gegen Cheseaux?

Dass es ein ganz anderes Spiel wird. Jetzt sind wir der Favorit, Cheseaux hat vermutlich nicht die Ambitionen auf Medaillenränge und vermutlich auch nicht das Kader dazu. Also kann ich gar nichts anderes glaubwürdig sagen, als dass ich einen eindeutigen und klaren Sieg von uns erwarte.

Und für die gesamte Saison?

Es ist klar, dass wir im Verein einen mittleren Umbruch erleben. Das betrifft die Führung, das Kader der ersten Mannschaft. Es gibt einen neuen Trainer, mit Bernhard Heusler und Marc Troxler sind zwei neue Verwaltungsräte von aussen dazu gekommen. Auch weiss man noch nicht alle Details zu den Kadern der anderen Vereine. Das sind Dinge, die eine Prognose erschweren. Zudem rede ich lieber nicht von Zahlen, Rängen und Punkten, sondern von Zielen, wobei ich natürlich schon weiss, dass viele Menschen den 2. Schlussrang von der letzten Saison noch im Kopf haben. Ich denke, dass fünf der zehn Mannschaften der Liga um den Aufstieg in die Halbfinals und damit um die Medaillenränge kämpfen werden. Und zu denen sollten auch wir gehören.

Wie umschreibst Du Dein Kader?

Nehmen wir dazu ein altes Bonmot: Klein, aber fein!

Ist es mit nur zehn Spielerinnen nicht einfach nur klein, sondern klar zu klein?

Eigentlich schon, vor allem für uns, die wir in drei Wettbewerben mitspielen werden – in der Meisterschaft, im Cup und im Europacup. Aber Präsident Werner Schmid hat mir einleuchtend erklären können, weshalb es dieses Mal so ist – deshalb trage ich diesen Entscheid voll und ganz mit. Ja, es kann ja sogar reizvoll sein, mal eine Saison lang rauszufinden, was man aus einem derart kleinen Kader mit wenig Alternativen auf der Ersatzbank Bank herausholen kann.  

Weshalb kehrtest Du aus der Bundesliga in die Schweiz zurück?  

Zum einen ist Sm’Aesch Pfeffingen sportlich eine gute Adresse, an der ein leistungsorientierter Trainer sinnvoll und auch perspektivisch motiviert arbeiten und wirken kann. Zum anderen liegt mein Lebensmittelpunkt in Schaffhausen. Dort haben wir ein Haus, womit der Weg zur Familie im Vergleich mit den vergangenen sechs Jahren, als ich in Wiesbaden und Münster gewirkt habe, wieder überschaubarer geworden ist.

Ist es für einen Profisportler wie für Dich ein Abstieg, dieser Wechsel von der Bundesliga in die Nationalliga A?

Das würde ich so nicht ausdrücken. Klar gibt es qualitative Unterschiede im sportlichen Niveau. Auch organisatorisch und personell ist die Bundesliga deutlich grösser, aber auch in Aesch kann ich mit dem Team zweimal täglich trainieren, auch wir haben eine tolle Struktur in der medizinischen Betreuung mit den Ärzten, Physios und Diagnostikern der Crossklinik. Zudem ist der Club ja bemüht, anderes auch noch laufend zu verbessern und arbeitet daran sehr progressiv. Zudem habe ich früher ja bereits 14 Jahre in der NLA bei Kanti Schaffhausen und bei Franches-Montagnes gearbeitet, und das mit dem Gewinn von insgesamt 16 Medaillen auch nicht ganz erfolglos. Ich weiss also, was auf mich zukommt. Kurzum, die Basis ist bei Sm’Aesch Pfeffingen absolut gegeben. Nun liegt es auch an mir, meine Erfahrung und mein Wissen einzubringen und den Verein langfristig auf ein noch höheres Niveau zu bringen.

Ist es im Volleyball auch wie im Fussball: Das Ziel der besten Spielerinnen ist die deutsche Bundesliga?

Absolut, ja, wobei für viele Nicht-Deutsche sogar die Bundesliga "nur" als Sprungbrett in noch bessere Gefilde gesehen wird. Die besten Ligen Europas sind derzeit halt dort, wo am meisten Geld vorhanden ist – in der Türkei, in Aserbeidschan, in Russland.

Welche Art von Trainer bekommen Deine Spielerinnen in Aesch?

Einen volleyballverrückten Mann, der seit 1989 mit Frauen-Clubteams und mit Nationalteams im Hallenvolleyball und im Beachvolleyball weltweit unterwegs war. Ich lebe Volleyball 365 Tage im Jahr, mehr noch, in unserer Familie ist das unsere Leidenschaft und Berufung. Meine Frau war Jahrzehnte lang als Hallen- und Beachprofi aktiv, und auch unsere elfjährige Tochter Matilda spielt schon länger Volleyball und wird bei Kanti Schaffhausen in ihrem Juniorenteam gar von meiner Frau Jana und damit von ihrer Mutter trainiert.

Alles, was ich von mir selbst fordere, verlange ich auch von meinen Spielerinnen: Volle Konzentration und Einsatz. Sie müssen physisch topfit sein, das Spiel verstehen und mit Leidenschaft und Emotionen das Training und den Wettkampf gestalten. Es ist für uns alle ein Privileg, Volleyball auf professioneller Basis ausüben zu dürfen, also haben wir allen etwas zurückzugeben, die das ermöglichen. Den Vereinsverantwortliche, den Sponsoren, den Fans, den Gemeinden.

Du wohnst in einer der eigenartigsten deutschen Gemeinden – in Büsingen. Das Dorf bei Schaffhausen ist zu hundert Prozent von Schweizer Boden umgeben, weshalb die Westfälischen Nachrichten fälschlicherweise geschrieben haben, dass Du in der Schweiz wohnen würdest. Als was fühlst Du Dich denn nun? Als Deutscher in der Schweiz, als Deutscher in Deutschland, als Schweizer in Deutschland…?! Und wirst Du in Büsingen bleiben und für Trainings und Spiele nach Aesch pendeln?

Büsingen ist ein wirklich schöner Wohnort und schon lange unsere Heimat, so dass ich mich schon fast als Deutschschweizer in Deutschland ansässig fühle. Ich werde während der Woche eine Wohnung in Aesch nutzen, an spielfreien Weekends aber auch regelmässig nach Hause fahren.

Hast Du, ehe Du Dich für den Wechsel nach Aesch entschieden hast, Kontakt mit Deinem Vorgänger Lippuner aufgenommen?

Aber sicher, da Timo und ich seit Jahren in Kontakt miteinander stehen und wir uns kennen. Ich versuche immer ein freundschaftliches Verhältnis zu meinen Trainerkollegen zu pflegen, denn schlussendlich profitieren wir alle gegenseitig von unseren Erfahrungen und Kontakten, zumal es kein grosses Konkurrenzdenken unter uns gibt.

Nun bitten wir ich noch, zu ein paar Stichworten ganz knapp Deinen spontanen Gedanken zu formulieren.  

Basel?
Zolli und Roger Federer.  

Angst?
Ist echt überhaupt nicht mein Problem  

Teller?
Voll soll er sein, egal womit…  

Religion?
Ich bin römisch-katholisch und glaube  

Kultur?
Soll ich ganz ehrlich sein? Bei den klassischen Kulturgebieten bin ich eher ein Banause. Natur, das ist für mich Kultur.  

Politik?
Ganz früher, als Jugendlicher, war ich mal kurze Zeit ein bisschen aktiv, aber Politik ist nicht mein Ding.  

Aesch bigott?
Ach, irgendetwas sagt mir das, das habe ich schon irgendwo gelesen – aber wo? Und was es heisst, keine Ahnung, aber wenn Du es mir erklärst, werde ich es sicher nie mehr vergessen…  

Sport?
Ist mein Leben, auch das meiner Familie. Ich glaube nicht einmal, dass eine Nicht-Sportlerin es mit mir als Ehemann aushalten würde…  

Heimat?
In meiner Jugend war es mein Geburtsort Tübingen, jetzt ist es Schaffhausen.  

Wunschtraum?
Ich bin kein Träumer-Trainer. Wünsche und Träume sind etwas Passives, ich beschäftige mich aber lieber mit aktiven Sachen.                                                                          

Interview Josef Zindel

 

Nächstes Heimspiel
Sonntag, 15. Oktober 2017, 17:00, Löhrenacker Aesch
Sm'Aesch Pfeffingen vs Cheseaux