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One Dream - one Team: Jetzt geht es so richtig los!

Josef Zindel 15.03.2019

Natürlich war es weit mehr als ein Geplänkel, was bisher in der Schweizer Volleyball-meisterschaft der Frauen dieser Saison geschah. So richtig um die Wurst aber geht es ab jetzt, und zwar Schlag auf Schlag. Bereits die soeben begonnene zweite Hälfte des Monats März wird für das NLA-Team von Sm'Aesch Pfeffingen richtungsweisend. In der Meisterschaft geht es diesen Samstag, 16. März 2019 los mit den Playoff-Viertelfinals gegen Genève Volley, und am 30. März 2019 kämpft Andi Vollmers Mannschaft in Fribourg gegen NUC Neuchâtel um den Cupsieg. Der ganze Verein trägt dabei das Motto der kommenden Wochen mit: EIN Team hat EINEN Traum, und zwar jenen, erstmals einen nationalen Titel ins Baselbiet zu holen.

Von Josef Zindel

Man möge diesen Satz mal ganz langsam lesen und sich jedes Wort auf der Zunge zergehen lassen: Sm'Aesch Pfeffingen, im Schweizer Volleyball der Frauen seit dem Aufstieg in die Nationalliga A im Jahr 2004 eine feste, stabile Grösse, aber halt noch ohne nationalen Titelgewinn, hat jetzt die grosse Chance, erstmals einen Pokal ins Birstal zu holen. Und weil sich der Verein für diese Saison das süffige Motto „One Dream – one Team“ verschrieben hat, sei es deutlich ausgesprochen: Es winkt sogar das „Double“, denn nur zwei Wochen nach Beginn der Playoff-Viertelfinals spielt Sm'Aesch Pfeffingen am 30. März in Fribourg gegen Viteos NUC Neuchâtel um den Cupsieg.  

Selbstverständlich braucht nicht verschwiegen zu werden, dass diese hervorragende Ausgangslage neben den eigenen fast immer starken Leistungen auch durch das Auswandern des bisherigen Serienmeisters Volero Zürich in die französische Meisterschaft begünstigt wurde. Doch davon profitiert jetzt ja nicht nur SMAP, sondern theoretisch alle Teams der NLA und praktisch vor allem die drei anderen Spitzenteams neben Sm'Aesch Pfeffingen, die da Düdingen, Schaffhausen und Neuchâtel heissen. Sei’s drum: Das Team vom Löhrenacker hat eine realistische Möglichkeit, seinem jahrelangen Präsidenten, Förderer und Geldgeber Werner Schmid zu dessen bevorstehenden Abschied aus Amt, Würde und Bürde ein wunderbares Abschiedsgeschenk zu machen. In der Nationalliga A wäre, der Titelgewinn vorausgesetzt, Sm'Aesch Pfeffingen der zwölfte Name auf der Liste der Meisterinnen im Schweizer Volleyball nach Uni Basel (22 Titel), Volero Zürich (13), BTV Luzern (7), Zeiler Köniz (6), VBC Biel (3), RTV 1879 Basel, Montana Luzern, Lausanne UC (alle 2), dem KSV Wattwil, Servette und dem ersten Schweizer Meister der Geschichte, dem FC Luzern (alle je 1). Auch auf der Liste der Cupsiegerinnen fehlt der Name von Sm'Aesch Pfeffingen (noch…).  

Cheftrainer Andi Vollmer setzt sich allerdings sehr differenziert mit den beiden Aufgaben auseinander und beurteilt die Ausgangslage für sein Team im Cup anders als in der Meisterschaft.  

Cup: „Der 2. Platz kann kein Ziel sein“

Ungeachtet der Tatsache, dass jetzt mit dem Heimspiel vom 16. März gegen Genève Volley die Meisterschafts-Playoffs und damit der eigentliche Titelkampf nach 21 Qualifikationsrunden beginnen, dreht sich im Kopf von Andi Vollmer schon vieles um den Cupfinal. Und dieses Bewusstsein vermittelt der Cheftrainer seit längerem auch seinen Spielerinnen in den Trainings.

„Ich muss das so tun“, sagt Vollmer, „das hat rein gar nichts mit unserem Playoff-Gegner aus Genf zu tun, den respektieren wir, den nehmen wir ernst.“ Aber, so Vollmers völlig nachvollziehbare Gedanken: Gegen Genève Volley hat Sm'Aesch Pfeffingen maximal drei Chancen, sich für die Halbfinals zu qualifizieren, jetzt aber den Cup zu holen, muss das Werk eines einzigen Spiels sein. Eine zweite Chance gibt es da nicht. Dazu kommt pragmatisch gesehen, dass der Tabellenzweite aus Aesch den Zweitletzten der Liga aus Genf auch dann besiegen sollte, wenn in der Trainingsarbeit zwischen der Vorbereitung auf den nächsten Gegner und der Vorbereitung auf den Cupfinal munter geswitcht wird, was Vollmer derzeit tatsächlich tut. Unterstrichen wird diese Beurteilung durch die Tatsache, dass SMAP in der Qualifikation die Genfer in den drei Spielen dreimal reichlich locker und ohne jeden Satzverlust bezwungen hat.  

Deshalb nahm es Andi Vollmer auch relativ gelassen, als sein Team am vergangenen 8. März zum Abschluss der Qualifikation mit einem 0:3 gegen Kanti Schaffhausen die bisher dritte Meisterschaftsniederlage bezog und damit den 1. Schlussrang der Qualifikation an Düdingen verlor. „Wir hatten zum einen einen wirklich schwarzen Tag, zum andern aber befassten wir uns im Training ausnahmsweise tatsächlich nur zwei Tage mit dem Gegner aus Schaffhausen. Der Fokus der anderen Trainings jener Woche waren bereits auf den Cupfinalgegner aus Neuchâtel gerichtet.“  

In diesem Zusammenhang kann es durchaus aufschlussreich sein, mal aufzuzeigen, wie Vollmer die Zeit nach einem Wettkampfspiel gestaltet: 

Erster Tag nach einem Wettkampf: Ruhetag, kein Training
Zweiter Tag: Aufarbeitung des letzten Spiels in Theorie und Trainingspraxis
Dritter Tag: Fokus auf das eigene Spiel (Tempo, Aufschlag etc.)
Vierter Tag: Fokus auf den Gegner: Wie schlägt er auf, wie ist darauf zu reagieren?
Fünfter Tag: Fokus auf den Gegner: Wie blockt er, wir ist darauf zu reagieren?
Sechster Tag: Zusammenführung der beiden Elemente vom vierten und fünften Tag
Siebter Tag: Spiel  

Vor dem besagten Auswärtsspiel in Schaffhausen hat also Vollmer die Vorbereitung umgestellt: „Da haben wir uns die ersten drei Trainingstage mit dem Cupfinalgegner NUC beschäftigt und uns dann nur die zwei Trainings direkt vor dem Meisterschaftsspiel gegen Kanti Schaffhausen mit dem bevorstehenden Match auseinandergesetzt.“

Man sieht: Vollmer brennt förmlich auf diesen 30. März mit dem Cupfinal in Fribourg gegen die Neuenburgerinnen. Und deshalb kennt er für diesen Match beim Formulieren des Ziels auch kein Zögern und kein Verwedeln: „Du kannst nicht in einen Cupfinal gehen und das Ziel rausgeben, Zweiter zu werden, niemand auf der Welt tut das…“    

 

Meisterschaft

Deutlich zurückhaltender in der Formulierung des Zieles ist Vollmer vor dem Start der Playoff-Viertelfinals gegen Genève Volley. Klar ist zwar auch für ihn, dass die Romands eliminiert werden müssen. Denn objektiv gesehen gibt es kein Argument, die Favoritenrolle dem Gegner zuzuschanzen, nicht einmal die Unwägbarkeiten des Sports. Aber sonst „halte ich den Ball für diese Playoffs flach – aus meiner Sicht völlig berechtigterweise.“  

Tatsächlicher erinnert Vollmer zurück an die Zeit vor dem Saisonstart im Herbst 2018. Das damals von allen Führungskräften im Verein unisono formulierte Saisonziel lautete: Wir wollen eine Medaille gewinnen. „Dieses Ziel haben wir bereits erreicht, denn im Cupfinal ist uns mindestens die Silbermedaille sicher. Und das Endspiel wollen wir gewinnen, da wird man von mir nichts anderes hören.“  

Dass Vollmer für die NLA-Playoffs kein konkretes Ziel öffentlich machen will, erklärt er so: „Wir haben bisher eine wirklich schwierige Saison hinter uns, da ist es meines Erachtens einfach nur grossartig, was wir bisher erreicht haben: Platz 2 mit nur drei Niederlagen in der Meisterschaft und das Erreichen des Ziels Medaillengewinn. Das ist doch schon mal eindeutig über den Erwartungen, weshalb ich für den letzten Teil in der Kommunikation nach aussen bescheiden bleiben möchte, denn zumindest für die drei anderen Spitzenteams ist die Chance ja ebenfalls sehr gross, die Nachfolge von Volero Zürich übernehmen zu können.“  

Diese „Handicaps“ nannte Vollmer, die eine bisher sehr schwierige Saison verursacht hätten:  

  • Es waren im Vergleich mit dem starken Vorjahr und der nur knappen Finalniederlage gegen Volero gleich neun neue Spielerinnen einzubauen. Es startete als praktisch eine neue Mannschaft in diese Saison.

  • Noch vor Saisonbeginn fiel die neu verpflichtete Aussenangreiferin Solenn Fabien mit einem Kreuzbandriss aus.

  • Es folgten die gesundheitlichen Beschwerden der amerikanischen Passeuse Taylor Tashima, die nur wenige Spiele mitmachen konnte und inzwischen definitiv in ihre Heimat zurückkehren musste – ein menschlich wie sportlich schwerer Schlag für die Spielerin und den Verein.

  • Im Januar und Februar gab es nach dem angekündigten Rücktritt von Werner Schmid eine Phase der relativen Ungewissheit, wie es mit dem Verein im Hinblick auf die kommende Saison weitergeht. Trainer und Spielerinnen gingen zwar mit dieser Situation, die inzwischen mit dem designierten Co-Präsidium von Esther Keller und Matthias Preiswerk auf erfreuliche Art geregelt werden konnte, sehr professionell und ohne jeden Motivationseinbruch um, aber es gibt niemand auf der Welt, der beweisen kann, dass interne Unruhen in einem Verein alle und jeden kalt lassen.

  • Die bisherigen Spiele in Meisterschaft, Cup und Europacup mit nicht weniger als drei verschiedenen Zuspielerinnen bestreiten – mit Taylor Tashima, der erste 17jährigen Annalea Maeder und aktuell mit der reaktivierten Tess von Piekartz, die bis zu ihrem Comeback im Januar 2019 acht Monate lang kein Volleyball auf Elite-Niveau mehr gespielt hat. 

Diese verschiedenen Hürden, die es zu meistern galt und teilweise noch immer gilt, sind der Grund, weshalb Vollmer zu Recht lobt, was bisher geschah, aber noch nicht ausdeutschen mag, was alles noch werden kann für ein Team mit einem Traum…  

Die Playoff-Viertelfinals  

TS Volley Düdingen-VBC Cheseaux
Sm’Aesch Pfeffingen-Genève Volley
VC Kanti Schaffhausen-ZESAR-VFM Franches-Montagnes
Viteos NUC Neuchâtel-Volley Lugano  

Die Playoff-Halbfinals  

Sieger aus Sm’Aesch - Genève Volley gegen Sieger aus VC Kanti Schaffhausen - ZESAR-VFM   Sieger aus TS Volley Düdingen-VBC Cheseaux gegen Sieger aus Viteos NUC - Volley Lugano                                                                         

Die nächsten definitiven Spiele von SMAP  

Playoff-Viertelfinals  
Samstag, 16. März 2019, 17.00 h: SMAP-Genève Volley, Sporthalle Löhrenacker Aesch
Sonntag, 17. März 2019, 14.00h: Genéve Volley-SMAP, Halle Henri-Dunant, Avenue Edmond- Vaucher 20, Genf
Mittwoch, 20.März 2019, 20.00 h: SMAP-Genève Volley, Sporthalle Löhrenacker Aesch  

Cupfinal  
Samstag, 30. März 2019, 13.30 h: SMAP- Viteos NUC Neuchâtel, St-Leonhard-Halle (Halle Omnisport Saint-Léonard), Allée du Cimetière 3, Fribourg