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Der Volleyball-Tausendsassa Johannes Nowotny

Thomas Wirz - BaZ 24.04.2015

Sm'Aesch Pfeffingen-Nachwuchschef Johannes Nowotny ist auch national voll engagiert
Von Thomas Wirz

Erfreuliche Fortschritte. Johannes Nowotny will mit seiner Arbeit im Volleyball-Nachwuchs die Schweiz näher an die europäische Spitze führen. Foto Pino Covino

Aesch/Bern.
Seit dem 1. Mai 2014 ist Johannes Nowotny ein viel beschäftigter Mann. Sinnigerweise am Tag der Arbeit trat der frühere Headcoach von Sm'Aesch-Pfeffingen seine neue Stelle als Nachwuchskoordinator von Swiss Volley an. Während der Aargauer Marco Fölmli den Männerbereich leitet, kümmert sich Nowotny in erster Linie um den weiblichen Indoornachwuchs. Die beiden 100-Prozent-Stellen konnte der Verband vor allem deshalb schaffen, weil nach der im Spätherbst 2013 abgesegneten Lizenzerhöhung ab diesem Jahr dem Indoorbereich rund eine Million Franken mehr als bisher zur Verfügung steht.
Nach zwölf Monaten zieht der 40-jährige Österreicher ein erstes positives Zwischenfazit: «Das Potenzial des Schweizer Indoorvolleyballs ist riesig. Infrastruktur, Spielerinnen und neuerdings auch das Geld sind vorhanden. Das Problem ist nur, dass das Potenzial bislang nicht annähernd genutzt worden ist.» Die Gründe, warum die Sparte Indoor seit 20 Jahren vor allem medienmässig im Schatten des Sektors Beach steht, sind schnell genannt. Die internationalen Erfolge der Schweizer Beachkoryphäen Paul und Martin Laciga, Markus Egger, Stefan Kobel, Sascha Heyer, Patrick Heuscher und Simone Kuhn sorgten für regelmässige Schlagzeilen, was zur Folge hatte, dass klar mehr Sponsorengeld in den Sand floss als in die Halle.
Eine Schlüsselstelle
Die Erkenntnis, dass der Indoorvolleyball nur über internationale Erfolge und stärkere Nationalteams zu wieder grösserer Beachtung kommt, war bei Swiss Volley zwar schon länger vorhanden. Aber erst jetzt, wo für sämtliche Nationalauswahlen und den Nachwuchsbereich mehr Mittel zur Verfügung stehen, haben sich die Perspektiven entscheidend verbessert. Weil diese im Frauenbereich klar besser als bei den Männern sind, besitzt Nowotny als Frauen-Nachwuchskoordinator eine Schlüsselstelle. «Sowohl im Breiten- wie Wettkampfsport stehe ich in der Verantwortung, die Dinge voranzutreiben. Im Breitenbereich geht es vor allem darum, die Anzahl Lizenzen zu erhöhen und im Schulsport noch mehr Mädchen für den Volleyball zu begeistern», ­ sagt der frühere Headcoach von ­Sm'Aesch-Pfeffingen zu einem Teil seiner Verbandsaufgabe.
Was den Wettkampf- und Elitebereich betrifft, ist er unter anderem verantwortlich für die gegenwärtig stattfindenden nationalen Talentsichtungen, die Koordination der verschiedenen regionalen Talentschulen oder die Karriereplanung der stärksten Juniorinnen. Gerade die beiden letzteren Aspekte seien noch nicht befriedigend gelöst, weil es da sehr viele Gespräche mit den Regionalverbänden und Clubs brauche.
Belgien als Vorbild
Weil der vor sechs Jahren ins Baselbiet gekommene Wiener nebenbei auch Coach der Schweizer U17-Auswahl ist und bei Sm’Aesch in fast täglichem Austausch mit Frauen-Nationaltrainer Timo Lippuner steht, ist er im Elitebereich sehr nahe am Puls des Geschehens. Auf die naheliegende Frage, bis wann die nationalen Frauenauswahlen international wieder konkurrenzfähig seien, entgegnet Nowotny nach kurzem Überlegen: «Wir haben in den letzten zwei, drei Jahren erfreuliche Fortschritte gemacht. Aber noch liegen wir im Vergleich mit den stärkeren europäischen Volleyballnationen klar zurück. Die Messlatte muss Belgien sein, das es als kleineres Land geschafft hat, an Europameisterschaften ganz vorne mitzuspielen.»
Der Volleyball-Tausendsassa ist bei Swiss Volley nicht nur Nachwuchskoordinator und Jugend-Nationalcoach, sondern leitet daneben auch weiter­- hin die Nachwuchsakademie von ­ Sm'Aesch-Pfeffingen. Weil Jana Surikova von VB Therwil zum Birstaler Verein zurückkehren wird, kann Johannes Nowotny dort jetzt immerhin als Trainer kürzertreten. «Auf mehr als ein 100-Prozent-Pensum werde ich aber auch so noch locker kommen», flachst der Familienvater und muss über diese Aussage selber lachen.