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NLA: Ein erstes Drittel wie gemalt!

Josef Zindel 20.11.2017

3:0, 3:1, 3:2, 3:0, 3:2, 3:2, 3:1, 3:0, 3:0: Das ist für alle, die sich in irgendeiner Form mit Sm'Aesch Pfeffingen im Allgemeinen und mit dem NLA-Team der Frauen verbunden fühlen, eine Kette von Zahlen und Ziffern zum Schwärmen. Tatsächlich legten die Spielerinnen des neuen Cheftrainers Andi Vollmer im ersten Drittel der Qualifikationsphase mit neun Siegen aus neun Partien und mit der Leaderposition einen Start in die Saison 2017/18 wie gemalt hin. Von Josef Zindel  

Das sportliche Wochenende der Sm'Aesch-Frauen vom 18. und 19. November 2017 wird in die Vereinsgeschichte eingehen, weil es den Baselbieterinnen erstmal seit einer gefühlten Ewigkeit wieder einmal gelang, den Serienmeister der vergangenen Jahre zu bezwingen. In der Tat hatte Volero seit 2005 nur ein einziges Mal den Titel nicht gewonnen. Das war in der Saison 2008/09 gewesen. Alle anderen zwölf Meisterschaften gingen seither an den Topclub aus Zürich.  

Und gegen diesen Verein verblüffte Sm'Aesch Pfeffingen am letzten Samstag mit einem glatten 3:0-Auswärtssieg, der auf einer überragenden Teamleistung fusste, «auf einem Auftritt, der ganz einfach von A bis Z perfekt gewesen ist», wie es hinterher Trainer Andi Vollmer festhielt. Das sei ja trotz der Siegesserie, trotz nunmehr neun Partien ohne Niederlage, nicht jedes Mal der Fall gewesen, fügte Vollmer an. «Wir hatten in allen anderen Spielen auch mal eine schwächere Phase, doch eine der ganz grossen Stärken unserer Mannschaft ist die Fähigkeiten, letztlich gewinnen zu können, will heissen, sich schnell wieder aufzuraffen, wenn’s im Spiel grad mal holpert, um dann am Ende doch noch als Sieger vom Platz zu gehen.»

Dass das seinen Spielerinnen bis jetzt neun Mal gelungen sei, sei überragend, meinte Vollmer. «Von einem solchen Auftakt in die Saison habe ich nie zu träumen gewagt, das kommt auch für mich sehr überraschend.»  Was Sm'Aesch derzeit neben vielem anderen auszeichnet, nennt man in der Sportwelt auch «mentale Stärke», und die bewies Vollmers Team zuletzt am Tag nach dem grossen Coup von Zürich, als nach der famosen Kür wieder die Pflicht an der Reihe war. Man hätte ja in der Tat vermuten können, dass die Sm'Aesch-Frauen, jetzt im Heimspiel gegen Franches-Montagnes wieder in der Rolle der Favoritinnen, ein bisschen die Zügel schleifen lassen würden – doch weit gefehlt. Es gab auch gegen die Jurassierinnen einen glatten 3:0-Sieg.

«Selbst wenn wir in diesem Spiel wieder den einen oder anderen Hänger hatten, zeigten meine Spielerinnen in allen drei Sätzen stets im richtigen Moment die richtige Reaktion.» Eine Selbstverständlichkeit sei das nicht, denn nach einem solchen Triumph, wie es das 3:0 gegen Volero war, sei es unheimlich schwierig, die Spannung aufrecht zu halten, um keine 24 Stunden später erneut für einen Sieg parat zu sein, fügte Vollmer an.  

 

«Mein Team weiss, wie man gewinnt»

Die Fähigkeit, sich nicht nur körperlich für jedes Spiel fit zu machen, sondern auch mental, hatte die NLA-Frauen von der Löhrenackerhalle schon zuvor wiederholt ausgezeichnet. Denn immerhin mussten sie bisher dreimal ins Tie-Break, dreimal trugen sie den 3:2-Sieg davon, was vor allem auch gegen die Verfolgerinnen aus Düdingen und Schaffhausen nicht ohne Bedeutung war. Auch dank dieser Nervenstärke führt Sm’Aesch jetzt die Tabelle an. Schliesslich brachte Vollmer das Entscheidende mit einem knappen Satz auf den Punkt: «Mein Team weiss, wie man gewinnt.»  

Äusserst erfreut über den sehr positiven bisherigen Saisonverlauf äusserten sich am Sonntagabend auch die beiden neuen Verwaltungsräte und Aktionäre. Marc Troxler, mit dem Verein schon lange als Sponsor verbunden, ist «immer wieder verblüfft über die Dynamik, die physische Präsenz und den Team-Esprit» in dieser Mannschaft. Und Bernhard Heusler fällt vor allem die «echte Freude» auf, von der diese Mannschaft getragen werde: Von der Freude am Spielen und der Freude, dem Publikum Freude zu bereiten. Damit sei die Mannschaft nicht nur für sportliche Erfolge verantwortlich, sondern auch für die positive Stimmung in der Halle, die derzeit richtig greifbar ist, meinte Heusler.  

 

Geglückter Umbruch

Selbstverständlich zeigte sich auch Präsident Werner Schmid sehr erbaut über das, was von seinen Spielerinnen seit dem Saisonstart, der noch nicht viel mehr als ein Monat zurückliegt, geleistet wurde. «Wir haben alle Spiele gewonnen, wir haben das völlig Unerwartete in der Partie gegen Volero geschafft, wir sind Erster – was will man da mehr!?» sagte Schmid. Für ihn besonders wichtig ist die Tatsache, dass die Umstrukturierung im Verein genau so gut gegriffen habe wie der sportliche Umbruch mit einem fast rundum erneuerten Kader. Und dass die Wahl von Andi Vollmer zum neuen Cheftrainer ein richtig guter Entscheid gewesen sei, verhehlte Schmid so wenig wie seine Dankbarkeit gegen über den treuen Sponsoren und den beiden neuen Aktionären.

«Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass wir auf dem Trainerposten hervorragend besetzt sind, dass unsere Stamm-Sechs sogar eine Spur stärker ist als im Vorjahr, dass aber dafür die ‚Bank‘ ein wenig schwächer geworden ist.» Deshalb sei man darauf angewiesen, dass im kleinen Kader mit nur zehn Spielerinnen nichts Gravierendes passiere. Mit dieser differenzierten Analyse verband Werner Schmid auch seine eigenen Gedanken zur Rangliste. Er sprach nicht von Rang 1, mit dem sich Sm'Aesch jetzt ziert, sondern betont zurückhaltend von den «Punkten, die wir jetzt schon haben und die uns niemand mehr nehmen kann.»  

 

Erstaunliche Madlaina Matter

Zur hervorragenden Stimmung um das Aushängeschild von Sm'Aesch Pfeffingen hat auch eine junge Spielerin beigetragen, die man in diesem Ausmass bis vor kurzem noch nicht auf der Rechnung hatte. Die Rede ist von der 21jährigen Madlaina Matter. Schon mit ungefähr acht Jahren ist sie Sm'Aesch Pfeffingen beigetreten und hat alle Nachwuchsstufen durchlaufen. Mit 17 Jahren schaffte sie den Sprung ins NLA-Kader. Zum Einsatz aber ist sie in der ersten Mannschaft bis Ende der vergangenen Saison praktisch nie gekommen.  

Jetzt aber gehört sie zur Stammsechs: Alle bisherigen Partien hat die Mittelblockerin durchgespielt. «Das ist schon toll, auch wenn es am Anfang für mich etwas schwierig war. Die Verantwortung wurde halt viel grösser als zuvor auf der Bank, man bekommt plötzlich viel Respekt, Respekt vor allem auch, Fehler zu machen statt zu punkten.»

Doch das habe sich inzwischen völlig gelegt, auch dank des Supports der Teamkolleginnen und des Trainerstabes. «Früher, in den unteren Ligen, haben wir als Spielerinnen immer das Spiel als Ganzes im Kopf gehabt, was auch Angst vor dem Verlieren schüren kann. Jetzt aber habe ich verinnerlicht, was in der ersten Mannschaft zählt: Wir denken von Punkt zu Punkt, der nächste Ballwechsel ist immer der Entscheidende. Diese Denkweise hilft viel mehr, als wenn du von der ersten Minute an ans Gewinnen oder aber auch ans Verlieren denkst.»  

Kurzum, es ist hocherfreulich, dass mit Madlaina Matter, die in Basel im dritten Jahr Pharmazie studiert, ein hundertprozentiges Eigengewächs den Durchbruch geschafft hat: In Pfeffingen aufgewachsen und zu Hause, im Kindesalter in den «Dorfverein» eingetreten und nun, mit 21 Jahren, Stammspielerin bei jenem Volleyballteam, das sich aktuell als das Beste im Land bezeichnen darf (auch wenn sie das selbst nicht tut…) – so etwas darf man dann wohl mit Fug und Recht eine Bilderbuchkarriere nennen…  

 

Noch sechs Heimspiele bis Weihnachten

Den Volleyballfrauen von Sm'Aesch Pfeffingen zuzuschauen, ist also derzeit ein richtiges Vergnügen. Davon können sich auch jene, die nicht regelmässig oder nie in die Löhrenackerhalle gehen, bis Weinachten noch in sechs Heimspielen zwischen dem 2. und dem 17. Dezember überzeugen. Dazu gehört auch ein weiterer Höhepunkt der noch jungen Saison: Das Europacup-Heimspiel gegen Zagreb (Mittwoch, 13. Dezember 2017, 20.00, Löhrenackerhalle Aesch).      

 

CEV Europacup