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Sportlich verhängnisvoller Spielplan: Schweizer Meisterschafts-Entscheidung ohne die U23 von Sm'Aesch Pfeffingen

Josef Zindel 15.03.2018

Aufgrund der Gestaltung des Spielplanes in den Schweizer Volleyballmeisterschaften der NLA-Frauen und des Nachwuchses, die sportlich verhängnisvolle Konsequenzen nach sich zieht, sind Clubleitung und Trainer von Sm'Aesch Pfeffingen ohne jedes eigene Verschulden in ein Dilemma geraten. Die Zwangslage konnte nach zahlreichen misslungenen Versuchen des Vereins, einen anderen und besseren Weg zu finden, nur noch in die Entscheidung münden, entweder für den ersten Spieltag der Playoff-Viertelfinals das NLA-Team der Frauen oder für die entscheidende Meisterschaftsrunde in der höchsten Schweizer Nachwuchs-Liga die U23-Mannschaft zurückzuziehen. Nach intensivem internen Abwägen entschied sich der Verein mit grossem Bedauern, seine U23 für die Schweizer Nachwuchsmeisterschaft vom kommenden Sonntag, 18. März 2018, abzumelden. 

 

Die Ausgangslage und Fakten

Im Volleyball der Frauen (und Männer) werden die Schweizer Nachwuchs-Meisterschaften auf den vier Altersstufen U23, U19, U17 und U15 im Anschluss an die Qualifikationsphase an jeweils drei Tagen im Turniermodus entschieden. Auf kommenden Sonntag, 18. März 2018, wurde von den zuständigen Verbandsgremien die zweite Runde mit Spielort Bern (U23) angesetzt. An diesem Turniertag werden jene Teams ermittelt, die schliesslich am so genannten «Final Four» Ende April in Neuchâtel den Titel unter sich ausmachen.

Das U23 Team von Sm'Aesch Pfeffingen holte 2017 den Schweizer Meistertitel und hätte nach dem ersten Finaltag der laufenden Saison glänzende Aussichten gehabt, auch 2018 im Kampf um den Titel eine wichtige Rolle zu spielen. Denn am Turniertag vom 18. Februar 2018 gewann die U23 von SMAP in Genf alle drei Partien, und zwar mit 2:1 gegen Rätia Volley aus Graubünden und danach gegen Servette Genf und Epalinges jeweils mit 2:0. Das Team hätte beste Aussichten gehabt, am kommenden Samstag in Bern gegen Baden, Luzern und Münchenbuchsee das Ticket für den Finaltag in Neuchâtel zu lösen und dort zu versuchen, den Vorjahrestitel zu verteidigen.

Im Volleyball der Nationalliga A der Frauen (und Männer) werden die Schweizer Meister nach der Qualifikationsphase in den Playoffs der achten besten Teams im Ko.-System ermittelt, und zwar nach dem Modus «Best of three» in den Viertel- und Halbfinals und nach dem Modus «Best of five» in den Finalspielen. Der erste Spieltag in den Viertelfinals der NLA-Frauen ist von den zuständigen Verbandsgremien auf das kommende Wochenende angesetzt. Jeweils das Heimteam hat das Wahlrecht, ob es am Samstag oder am Sonntag spielen möchte, im vorliegenden Fall am Samstag, 17. März oder am Sonntag, 18. März 2018.

Fakt ist damit, dass der Beginn der Play-offs in der Nationalliga A und der entscheidende Spieltag in allen vier Nachwuchskategorien aufs gleiche Wochenende angesetzt wurde, womit neben anderen Vereinen wie zum Beispiel NUC Neuchâtel auch Sm'Aesch Pfeffingen in eine veritable Termin-Bredouille und somit in ein Dilemma gestossen wurde, das sportlich befriedigend nicht gelöst werden konnte.   Das Dilemma von Sm'Aesch Pfeffingen.  

Sm'Aesch Pfeffingen legt grössten Wert auf eine umfassende, zielorientierte und nach professionellen Massstäben strukturierte Nachwuchsarbeit, dies seit 2011 in der «Nachwuchsakademie Sm´Aesch Pfeffingen». Diese vorbildliche Nachwuchsarbeit zeitigte immer wieder erfreuliche Entwicklungen, auch aktuell in der laufenden Saison. Denn zum nur zehn Spielerinnen umfassenden NLA-Kader gehören nicht weniger als vier Spielerinnen aus der U23, die regelmässig in beiden Team spielen, also sowohl im Nachwuchsteam wie in der ersten Mannschaft in der höchsten Schweizer Liga. Dabei sind die 20jährige Topskorerin Maja Storck und die 22jährige Mittelblockerin Madlaina Matter bei allen Partien in der NLA praktisch ohne Unterbruch auf dem Feld. Die 22jährige Aussenangreiferin Livia Zaugg hat üblicherweise in der NLA weniger Spielzeit als Storck und Matter, kommt aber immer öfter ebenfalls zu Teileinsätzen, während Elisa Visentin als zweite Libera parat ist, falls Anna Pogany ausgewechselt werden müsste.

Alle vier erwähnten Spielerinnen sind gleichzeitig unverzichtbare Teamstützen der U23. Idealerweise ist Profitrainer Andi Vollmer für eine sinnvolle Durchlässigkeit Cheftrainer beider Mannschaften.

Der vor zwei Jahren in der Konferenz der NLA-Clubs per Abstimmung gefällte Entscheid, die drei jährlichen Termine zur Ermittlung der Schweizer Nachwuchsmeister NICHT zu schützen, sondern an den gleichen Tagen auch NLA-Runden anzusetzen, hat nun (auch) Sm'Aesch Pfeffingen in die höchst unbefriedigende und total kontraproduktive Situation gebracht, sich entscheiden zu müssen, eines der beiden Teams aus dem laufenden Wettbewerb zu nehmen. Denn dass Einsätze der vier erwähnten Spielerinnen am Sonntag, 18. März 2018 in Bern und gleichentags mit dem NLA-Team in einem Playoff-Spiel gegen Galina im liechtensteinischen Schaan nicht möglich sind, ist selbsterklärend.    

 

Die erfolglose Suche nach Lösungen

Die Clubleitung von Sm'Aesch Pfeffingen hat in den letzten Tagen alles versucht, diese total unbefriedigende Situation zu entschärfen, um zu verhindern, dass die eigene U23, ihres Zeichens Schweizer Meisterin ihrer Kategorie, um die Möglichkeit einer Titelverteidigung gebracht wird. Doch diese Bemühungen fruchteten nicht. Die Lösung, das NLA-Spiel in Schaan entweder, auf den Freitagabend vorzulegen oder an einem beliebigen Tag in der Woche 12 zwischen dem 19. und dem 22. März zu legen, was seitens des Verbandes, ein Einverständnis beider Clubs vorausgesetzt, erlaubt worden wäre, scheiterte am Veto von Galina Schaan. Der Verein aus Liechtenstein beharrt auf dem Termin am Sonntag, 18. März 2018. Das ist Galina Schaan seitens Sm'Aesch Pfeffingen nicht vorzuwerfen, dazu ist der Viertelfinalgegner aus dem Fürstentum juristisch berechtigt.  

 

Der schwierige Entscheid

Damit hatte die Vereinsführung mit Präsident Werner Schmid und Andi Vollmer, der Trainer beider Mannschaften, die äusserst unangenehme und nicht im geringsten selber verursachte Pflicht, quasi zwischen Pest und Cholera zu wählen und eines der beiden eigenen Teams schwer zu enttäuschen, nachdem mehrere Versuche, entweder den Verband zur Entflechtung der beiden kollidierenden Termine oder Playoff-Gegner Galina Schaan von einem anderen Spieltermin zu überzeugen, gescheitert sind.

Dass sich die Vereinsführung und Trainer Vollmer letzten Endes für den NLA-Viertelfinal und damit gegen eine Teilnahmemöglichkeit der U23 an deren Schweizer Meisterschaft entschieden, fusst einerseits auf sportlichen Überlegen, wonach dem am höchsten qualifizierten Team Priorität einzuräumen sei, und anderseits auf finanziellen Gründen. Denn das Verbandsreglement sieht im Fall eines Nichtantretens in der NLA eine Busse bis zu 10‘000 Franken vor – und dieses Risiko einzugehen, kann sich Sm'Aesch Pfeffingen ganz einfach nicht leisten.    

 

Das meint Sm'Aesch Pfeffingen

Obschon der Abstimmungs-Entscheid der Vereine der Liga bereits zwei Jahre zurück liegt und sich zunehmend als kontraproduktiv erweist und eigentlich auch nicht im Sinn des Verbandes sein dürfte, weil auch der an einer optimalen Nachwuchsarbeit interessiert sein müsste, herrscht grösste Gefahr, dass sich diese Problematik auch 2019 wiederholen wird und dass dadurch redlich arbeitende Vereine im Schweizer Spitzenvolleyball auch in einem Jahr wieder vor dem gleichen Dilemma stehen.

Deshalb wird sich Sm'Aesch Pfeffingen mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die drei Termine, in denen die Entscheidungen in der Schweizer Nachwuchsmeisterschaft auf allen Altersstufen fallen wird, seitens des Verbandes ganz einfach unverhandelbar geschützt werden, konkret, dass an diesen Sperrdaten keine NLA-Spiele stattfinden dürfen. Dazu eine Randbemerkung: Im Gegensatz zur NLA gilt in der NLB und in der 1. Liga die Praxis mit Sperrterminen an den Tagen der Schweizer Nachwuchsmeisterschaften.

Es herrscht bei Sm'Aesch Pfeffingen Unverständnis, in diese Lage manövriert worden zu sein. Das ändert aber nichts an der Motivation, alles zu tun, um den Ist-Zustand zu beenden und dafür den eigenen Nachwuchsspielerinnen die Bühnen, auf denen sie sich bewegen können, offen zu lassen. Sm'Aesch Pfeffingen wird sich deshalb konkret und mit Nachdruck dafür einsetzen, dass der vor zwei Jahren gefällte und für fünf Jahre gültige Entscheid der Konferenz der Schweizer NLA-Clubs (SVLK), die Termine der Nachwuchs-Schweizermeisterschaft NICHT zu schützen, sondern an den gleichen Tagen NLA-Spiele anzusetzen, nochmals überdacht und konsequenterweise geändert wird. Unser übergeordnetes Ziel ist es, selber ausgebildete Spielerinnen in die NLA zu integrieren und ihnen dort Spielverantwortung zu geben. Diese topmotivierten, leistungsbereiten Nachwuchsspielerinnen sollen nicht gegen Ende der Meisterschaft, also ausgerechnet zum Zeitpunkt der Entscheidung, unverschuldet vor einem sportlichen Scherbenhaufen stehen müssen.    

Josef Zindel

 

Bild: U23-Team nach den drei Siegen am 1. Tag der Nachwuchs-Schweizermeisterschaft in Genf (18.2.2018).