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Eine starke Saison, der nur die Krönung fehlte

Thomas Wirz 26.04.2019

Die Sm'Aesch-Volleyballerinnen standen in drei Finals, scheiterten aber jeweils am überraschend starken Neuchâtel. Zieht die neue Aescher Chefetage die richtigen Schlüsse, könnte der Traum vom ersten Meistertitel indes schon bald wahr werden. Thomas Wirz

Der Schweizer Frauen-Volleyball lebt - Stav Jacobi sei dank! Der Entscheid des Volero Zürich-Präsidenten, sein nationales Ueberteam nach Südfrankreich zu transferieren, hat wie eine starke Vitaminspitze gewirkt. Die Playoff-Finalserie zwischen dem neuen Meister Neuchâtel UC und Sm'Aesch-Pfeffingen hat gezeigt, was möglich ist, wenn sich zwei Teams auf Augenhöhe gegenüber stehen und der Meister nicht zum vornherein so gut wie feststeht: Volle Hallen, umstrittene und spannende Duelle, Emotionen hüben wie drüben und nicht zuletzt zwei junge Equipen mit vergleichsweise wenigen Ausländerinnen. Im letzten Finalvergleich in Neuenburg standen in der Startformation bloss drei (NUC) beziehungsweise vier (Sm'Aesch) Söldnerinnen. Nur zwölf Monate, nachdem Volero-Boss Jacobi im zweiten Finalspiel nach der Startniederlage in Aesch gegen das Reglement seine beiden Schweizerinnen vom Feld geholt hatte, ist dieser Fakt bemerkenswert.

Die Saisonziele erreicht

Aus Sicht von Finalverlierer Sm'Aesch fällt das Fazit der Spielzeit 2018/2019 auch unter dem Eindruck einer missglückten letzten Partie überhaupt nicht durchzogen aus. Das formulierte Saisonziel, in Meisterschaft und Cup wiederum Medaillen zu holen, ist mit einer ganz neuformierten Equipe erfüllt worden. Zwei Mal Silber, den Supercup einmal ausgeklammert, ist - auch ohne Volero - eine starke Ausbeute. Dies vor allem in Anbetracht der schwierigen, ja gar widrigen Umstände.

Nachdem das Birstaler Spitzenteam in den zwei vorangegangenen Spielzeiten von der Verletzungshexe weitgehend verschont blieb, schlug diese in den letzten Monaten hart zu. Es begann mit dem Kreuzbandriss der neuverpflichteten Solenn Fabien zwei Wochen vor Saisonbeginn, setzte sich mit den Gehirnerschütterungen der ebenfalls neuen Taylor Tashima und Anika Schwörer fort und endete mit drei zusätzlich angeschlagenen Spielerinnen (Madlaina Matter, Kristen Tupac und Annalea Maeder) in der Finalissima. Auch wenn mit Rückkehrerin Tess von Piekartz und der im Januar dazu gestossenen Monika Chrtianska während der Saison Ersatz verpflichtet wurde, war der Aderlass mit ein Grund für das verpasste Gold.

Dass man in Aesch trotz inzwischen neun erreichten Finals (vier in der Liga, drei im Cup sowie zwei im Supercup) weiterhin auf den ersten Titel der Vereinsgeschichte warten muss, hat aber auch mit der Zusammensetzung des Teams zu tun. Derweil die letzten Sommer neuverpflichteten Gabi Schottroff, Dora Grozer und Tashima die Erwartungen erfüllt haben, konnten Jessica Ventura sowie Tupac auf Schlüsselpositionen ihre Vorgängerinnen Maja Storck und Anna Pogany nicht vergessen machen. Die Sm'Aesch-Ausgabe 2018/2019 kam so eine Spur leichtgewichtiger daher als die starke letztjährige Equipe. Im Cup- wie im Playoff-Final hatte dies gegen ein sich stetig steigerndes NUC Konsequenzen. Topskorerin Grozer wurde vom gegnerischen Block meist zugestellt, womit der Baselbieter Offensive die Hälfte ihrer Durchschlagskraft genommen wurde.

Eine neue Aera

Nach der Saison ist vor der Saison: Mit der Stabübergabe vom langjährigen Aescher Steuermann Werner Schmid an das neue Co-Präsidium Esther Keller und Matthias Preiswerk folgt ab sofort ein neues Kapitel in der Sm'Aesch-Clubgeschichte. Dem Vernehmen nach ist der Ablösungsprozess in den letzten Wochen gut in die Gänge gekommen. «Wir haben bereits einiges aufgegleist und sind derzeit voll mit der Planung der nächsten Saison beschäftigt», sagt Keller als neue strategische Verantwortliche im Bereich Kommunikation und Marketing. Was die sportlichen Ziele der Spielzeit 2019/2020 betrifft, meint die lizenzierte Volleyballspielerin: «Wir wollen weiter angreifen und ganz vorne mitspielen.» Die Ansage bedeutet, dass nach vier zweiten Plätzen in Folge gewiss auch der Titel angestrebt werden soll.

Um gegenüber den Rivalen NUC, Düdingen und Schaffhausen nicht nur auf Augenhöhe, sondern etwas darüber zu stehen, müsste das Budget dementsprechend nach oben angepasst werden. Eine Garantie für Titel gibt es zwar auch im Frauenvolleyball nicht, doch ohne zusätzliche Investitionen sind oberste Podestplätze im Normalfall nicht zu haben. Die Teambildung für die kommende Saison ist gemäss Keller teilweise bereits fortgeschritten: «Es zeichnet sich ab, dass die Verträge mit der Mehrheit der Schweizer Spielerinnen verlängert werden. Und die Chancen, dass auch Hauptangreiferin Dora Grozer im Baselbiet bleibt, sind intakt.»

Zuoberst auf der Sm'Aesch-Wunschliste steht nun die Verpflichtung einer neuen ersten Zuspielerin. «Wir hoffen, dass in einigen Wochen die allermeisten Verträge unterschrieben sind», meint die frühere Tele Basel-Moderatorin zu den noch offenen Personalfragen. Die neue Aescher Chefetage scheint sich zumindest schon gut eingearbeitet zu haben. Man darf auf die Fortsetzung der Sm'Aesch-Story also gespannt sein.